2150 Gelsenkirchen Hans-Sachs-Haus

Neues aus der Welt um Walcker-Orgeln

Die Walcker-Orgel aus dem Gelsenkirchner Hans-Sachs-Haus (Opus 2150, Bj 1927, IV/92, ep Taschenlade in den 80er Jahren auf Schleiflade umgestellt, jetzt in den 2007-17 Jahren scheinbar wieder mit neuen Taschenladen bestückt) soll für einen banalen Euro in der Papenburger St. Antoniuskirche ab 2019 überführt werden. Die Lächerlichkeit von 1-1,5 Millionen Euro, die dann noch dazu kommen für Einbau und technische Endgestalt, scheinen nicht der Rede wert.
Was mich ärgert ist der Umstand, dass man vor 15 Jahren die Gelegenheit gehabt hat, den originalen Spieltisch von 1927 wieder neu entstehen zu lassen. Anstatt dies zu tun hat man eine Blackmetalkarikatur im frankoromantischen Stil gebaut, was erwarten lässt, welche vergleichbare Nachlässigkeit in die Klanggestalt einfahren wird. Denn erinnern wir uns, diese Orgel wurde im Schatten der Freiburger Praetoriusorgel (1921) und ihren folgenden Tagungen (Freiburger Tagung für Deutsche Orgelkunst 1926) gebaut. Zeitgemäß nun wird der französische Populismus auf diese fein abgestimmten Nuancen losgelassen (Mühleisen). Der Klang dieser Konzertsaalorgel wurde auf den recht trockener Akustik bestückten Hans-Sachs-Haus-Saal abgestimmt. Der Pfeifenklang steht unter Denkmalschutz - ich bin gespannt, wie man sich dran hält. Wenn gleich die Intonation in den 80-90er Jahren, bei der unglücklichen Umgestaltung auf die Schleifladen, mir nie finalen, großen Klang offenbarten. Als Vorbild wäre hier die Stuttgarter Villa Berg Orgel ideal, die optimalen Konzertsaalklang bewahrt.
Das wird unseren Techniker-Orgelbauer und am Computer gereiften Sachverständigen weniger gefallen, denn der Kraft, Laut- und Buntheit der heutigen Zeit muss Rechnung getragen werden. So passt also der Friedhofsspieltisch zur geplanten Klangdekonstruktion: die heutige Zeit kann nur im Kleinen das Große bewahren! (gwm)

Hier Linkbeispiele dazu :
Prospektblatt aus 1927 als PDF [4.371 KB]
Laux spielt die drei Liszt-Riesen an der Orgel, hiervon Praeludium und Fuge über B-A-C-H [20.143 KB]
(mit Teilverstimmung der Orgel und zugemixtem Nachhall)

Es gibt noch eine PDF von dem ehemaligen Orgelkurator Herrn Obernier, der mit großem Einsatz einst die Orgel ins Kulturgeschehen der Stadt einbrachte: Karl-Heinz Obernier "Die Walcker-Orgel im Hans-Sachs-Haus Gelsenkirchen" [862 KB] aus 1993.

am 19.07.2017 erscheint erneut ein weiterer Artikel über die Umstellung in der www.noz.de

Opus 2150 - die Walcker-Orgel im Hans-Sachs-Haus zu Gelsenkirchen, historisches Prospektblatt der Firma Walcker