Walcker-Orgelbau seit 1780

Berlin, erstes Spieltischkonzept

Kaum sind vier Tage nach unserer Rückkehr vergangen, da warten schon weitere Aufgaben, wie die Vorbereitung zum Abbau und Transport unserer Orgel aus Berlin. Dabei entpuppt sich diese Orgel als ein Wunderwerk der ausgehenden "Pneumatik". Sowohl Melodiekoppel, Basskoppel, alle denkbaren Sub- und Superkoppeln sowie Organola und eine dezente elektrische Leitung hoch zum Fernwerk machen sich im Spieltisch bemerkbar. Diesen Spieltisch werde ich in den nächsten Wochen und Feierabendstunden vollständig in digitales CAD umwandeln. Und ich bin sicher, dass es mein Orgelbauerwissen gewaltig bereichern werden wird. Gelegentlich werde ich auch hier einen umfassenden Blog verfassen, wo einige Feinheiten dieser 1916 gebauten Orgel geoffenbart werden.

0237 Boston First Church

Etwas ganz Neues offenbart uns ein Orgelfreund aus New York mit der Walcker-Orgel, die 1869 nach Boston in die First Church geliefert wurde. Hier ein Zeitungsartikel aus dem Boston Daily Express. Hier die Zeichnung der Orgel, die nach einem Brand der Kirche in den 1930er Jahren leider entsorgt werden musste.

Romantische Walcker-Orgeln im Osten

1726 Rudersdorf

Wunderschöne spätromantische Walcker-Orgeln aus Ostdeutschland hat uns Christian Schmidt, Bad Düben, in den letzten Tagen zugestellt. Danke! Hier wird eine wirklich großartige Atmosphäre in ostdeutschen Kirchen geoffenbart, die nicht wie im Westen gründlich restauriert werden konnten. Ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor den Weltkriegen weht aus diesen Bildern herüber. Hoffen wir, dass diese herrlichen Kirchen nicht mit Westmethoden aufgehübscht und kommerzialisiert werden.
Der Klang dieser Orgeln muss ungewöhnlich schön sein, wenn die Substanz all dieser Orgeln einmal musikalisch ansprechend dargestellt werden kann.
Das war der Grund diese Instrumente umgehend in unsere online-Opusliste zu integrieren.
Hier die Links dazu:
Opus 1617 Göschnitz
Opus 1766 Ebersdorf
Opus 1875 Titschendorf
Opus 1563 Lodersleben
Opus 0296 Zwickau Planitz
Opus 1726 Rudersdorf

Reisen in Zeiten der Unruhe

Vor zwei Tagen musste ich meine geplante Reise in den Libanon absagen. Drei Gemeinden waren davon betroffen. Die Evang. Hauptkirche von Beirut zum Beispiel befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Justizministerium, wo ein heftiger Schusswechsel stattfand, den der Korrespondent der Süddeutschen als Audio-Podcast zur Verfügung stellte, was mir dann den Rest gab. Wir selbst haben bei unserer Montage einer englischen Orgel in Khirbet erlebt, was es bedeutet in unmittelbarer Nachbarschaft von Damaskus zu sein.

Eine Planung zur Wartung nach Kairo musste ich zweimal verschieben. Eine geplante Fahrt nach England, wo es galt verschiedene Wartungen durchzuführen musste ebenfalls zweimal verschoben werden. Hier allerdings ist der Grund ein immanenter Wahnsinn, der sich in der englischen Bürokratie breit macht, indem man nun alles was Ausland ist grundsätzlich verteufelt.
Anträge für sogenannte "Frontier Worker Permits" werden digital mit Barrieren aufgeschichtet, mit einer Hinterlist, die es unmöglich macht dieses digitale Formular überhaupt ausfüllen zu können. Das hat mir klar signalisiert wohin die Reise der Britten geht. Wir hatten in Deutschland eine ähnliche Situation Anfang der 1930er Jahre und nach dem II.WK, allerdings wären bei uns die Bauern bei solcher Unverschämtheit ihrer Kanzler längst auf die Barrikaden gestiegen. Jetzt also ist klar was dies dumbing down around the Brexit für Folgen zeigt.

Eine Reise ins Ausland dieses Jahr werden wir jedoch noch vornehmen und zwar auf die Insel Gran Canaria, nach St. Mateo, hier werden wir im November die Überarbeitung des Pfeifenwerks und die Intonation durchführen.

Nachdem auch die Staaten in Mittel-und Südamerika wegen drohenden Pleiten so ziemlich als Kulturfinanziers ausgefallen sind, haben wir das Glück nun gefunden, in Deutschland die nächsten zwei Jahre beschäftigt zu sein. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob dieses reine Glücksgefühl in einen Dauerzustand mündet, aber gegen diese Kontingenz ist man eh machtlos. gwm

Boston Opus 200 in concert

Die Walcker-Orgel Opus 200, gebaut 1857-1863, mitten im Bürgerkrieg per gefährlicher Schiffsreise angeliefert, wird nun in vorzüglicher Form von dem Organisten Frederick Hohmann auf vimeo vorgestellt. Ein tolles Dokument. Zunächst spielt Hohmann Preludium und Fuge BWV 544, es folgen Erläuterungen zur geschichtlichen Entwicklung der Orgel, dann klanglich schön dargestelltes Scherzetto von Louis Vierne. Aber etwas mehr Recherche in Klangvorstellungen von EFW hätte dem jetzigen Orgelklang gut getan. Dennoch sehen wir eine vorzüglich gepflegte Orgel, die allein durch ihre Ausmaße zu begeistern vermag. Nach dem Scherzetto folgt eine Erläuterung von Andover Organ Company. Prima gemacht ! der Orgelbauer erläutert durchschlagende Zungen von EFW und andere Besonderheiten an Pfeifen und Balganlage. Die Kegelladen Eberhard Friedrich haben die Amerikaner ca. 1930er Jahre gegen ihre elektrischen ausgetauscht, was einem Tränen in die Augen treibt. Ein Gespenst von totem Spieltisch im Hintergehäuse mahnt schweigend. Das Instrument wird nicht nur von außen sondern auch gründlich im Inneren dargestellt, was wir so noch nicht gesehen haben.

Neuigkeiten rund um Walcker....

Momentan liefert die "NOZ" aus Papenburg regelmässig Begeisterungs-Fan-Artikel über die "Walcker"-Orgel in der St.Antonius-Kirche.
Bei dieser Orgel, die aus dem Gelsenkircher Hans-Sachs-Haus stammt, einem Instrument das 1927 mit Holtschneider geplant und von Günther Ramin eingeweiht wurde, hatten wir eigentlich eine großartige Synthese aus Spätromantik und Orgelbewegung (Jahnn-Mahrenholz-Elsässische Bewegung). Also es handelte sich hierbei um eine klassische Konzertsaalorgel, die ganz vorzüglich und letztmalig von Laux mit den großen Liszt -Orgelstücken auf CD aufgenommen wurde. (auf rechter Spalte dieser Seite kann davon Praeludium und Fuge über B-A-C-H gehört werden)
Das Verharren der Reporter und Kirchenverantwortlichen darauf, diese Orgel bedingungslos mit dem Attribut "Walcker" zu versehen, versteht man nur sehr begrenzt, denn die für die Neugestaltung zuständige Orgelbaufirma hat alles Mögliche dafür getan, um genau diesen "Walcker" aus der Orgel zu tilgen. Das soll lediglich die glasklaren Kategorien klarstellen und keine Bewertung dieser Orgel in Papenburg sein.

Nachvollziehbare Begeisterung hingegen finden wir in der Thüringer Allgemeinen, wo die "Wunderpfeifen der Walcker-Orgel in Stotternheim" besungen werden. die Orgel wurde als Opus 988 in 1902 gebaut und steht in einem Gehäuse von Johann Michael Hesse aus 1776. Das Instrument wurde 2004-08 von Christian Scheffler restauriert und wird vielfach in Konzerten dargestellt.

Übrigens habe ich einen neuen Blog "Über pneumatische Relais im Orgelbau" gefertigt, der vom einfachen zum superspezialen Relais fortschreitet. Aber, es gehören mehrere Leben dazu, dieses umfangreiche und recht "nutzlose" technische Gebiet der Orgelpneumatik restlos auszuschöpfen. Man spürt im Inneren, dass diese Technik irgendwie die richtige ist, aber in heutiger Zeit der Schelllebigkeit, des endgültigen "Shitstorms", der vielen Nullen und Einsen, kein langsamer und tiefer Atem mehr da ist. Nur das Jetzt und Heute ist noch gefragt. Morgen oder Gestern, wen kümmert's noch, außer die Ewiggestrigen, und von denen haben wir in und um die Orgel genügend.

Walcker-Orgel Op.2617, Medellin, Colombia,

mit elektropneumatischer Kegellade, wird Ende 2022 von uns restauriert. Anfang nächstes Jahr werden wir eine Reise nach Medellin unternehmen, um alle wichtigen Details festzulegen und weitere Projekte im Land zu besuchen.
Manual C-g'''
1. Principal 8
2. Bordon dulce 8
3. Salicional 8
4. Voz celeste 8
5. Flauto armonica 4
Pedal C-f'
6. Subbajo 16

neue CD's auf Walcker-Orgeln

Chris Jarett spielt auf der Walcker-Orgel in Saarwellingen Op.5923, Bj.1995 Die CD wird von Davinci-edition vorgestellt und verkauft. Außerdem kann man Orgel, Organist und Komposition auf Youtube in allen Details studieren. Teilweise sehr obertonlastig registriert. In Part2 werden schöne Klangkombinationen gezeigt. Aber man wird den Eindruck nicht los, dass die Orgel zuviel 60erJahre Ambiente aufweist.
Eine ganz großartig restaurierte Walcker-Orgel steht im saarländischen Mimbach Op.170, Bj 1860. Eine dieser Orgel würdige CD, bespielt von Christian Brembeck gibt es bei JPC, wobei man bei der Vorstellung unter diesem Link einzelne Tracks anhören kann. Sehr gelungen, sehr angemessener Preis. Ein wunderbarer Unterschied auch zu der Saarwellinger Orgel, wobei die Mimbacher doch mit sehr begrenzter Registerzahl punkten kann.

Walcker erhält Auftrag zur Restaurierung

Die Walcker-Orgel der "Siemens-Villa in Berlin", gebaut 1916, mitten im Krieg, enthält genügend Herausforderungen. Aber sie stellt neben diesen ein ganz besonderes historisches Denkmal dar. Auf dieser Orgel, wo einst Werner v. Siemens musizierte, und sei es, dass er einst über die Organola das Vorspiel zum "Parsifal" erklingen liess, das gibt den Räumen dieser Villa eine unheimlich tiefsinnige Aura.
Es wird noch dieses Jahr losgehen, die Orgel in Berlin auszubauen, um es dann im Saarland zu restaurieren.
Wir sind selbst gespannt, wie sich alles entwickeln wird.

Walcker-Orgel der Siemens-Villa, Berlin

Disposition Opus 1869, Berlin Siemens-Villa

I.Manual C-c‘‘‘‘= 61 Tasten
Lieblich Gedeckt 16‘ Holz, Metall
Flûte harmonique 8‘ Holz, Metall,
Viola 8‘ Zinn, Zink (Gamba 5 tlg)
Gemshorn 4‘ Zinn, Zink
Flautino 2‘ Zinn
Cymbel 3 fach 2‘-1 ⅓‘-1‘, Metall
Oboe 8‘ Metall

Echowerk C-c‘‘‘‘
Vox humana 8‘ Metall (extra Kasten)
Bourdon 8‘ Holz, Metall
Flöte 4‘ Metall, Zinn (Spitzflöten-Mensur)
Echotrompete 8‘, Metall
Tremolo

IIManual C- c‘‘‘‘= 61 Tasten
im Schwellwerk
Gedackt 8‘ Holz, Metall
Salicional 8‘ ab Holz, Metall
Vox coelestis ab c, Zinn
Spitzflöte 4‘ Holz, Metall
Violine 4‘ Zinn
Quintflöte 2 2/3‘ Zinn
Piccolo 2‘ Zinn
Terz 1 3/5‘ Zinn
Glockenspiel 48 Töne

Pedal C-f‘ = 30 Tasten
Subbass 16’ C-H, Rest aus Nr.3
Echobass 16‘, Holz
Cello 8‘, Transmission aus 4.
Basson 16‘ C-H Metall

wieder online.....

nach einigen Jahren Pause können wir wieder unsere alten oder veralteten Webseiten präsentieren:
-----------------------------------------------------------------------------------------
1. SpieltischeWeb (romantische Entwicklung)
2. Aeoline.de (Bauformen und Soundfiles v div Orgelpfeifen)
3. EF-Walcker.de (die Seite des Meister Eberhard Friedrich Walcker)
4. Bunkorgel-Reinoldi (über die Dortmund Reinoldi Walcker-Orgel)
-----------------------------------------------------------------------------------------

Da bei uns keine User-Daten eingesammelt werden, gibt es auf diesen Seiten auch keine Hinweise zu irgendwelchen "Cookies".
Bitte beachten Sie, dass auf genannten Webseiten z.T. noch Hinweise auf alte Webseiten vermerkt sind, die es so nicht mehr gibt. Aber was ist schon "alt" im Orgelbau?

Opus 4097 Berlin-Charlottenbrg Trinitatis

An dieser Walcker-Orgel wurde eine neue CD von zwei Organistinnen und einem Organisten eingespielt. Das Instrument wurde 1962 mit III/39 gebaut und 2016 general überarbeitet. Dabei hatte man ein zusätzliches viertes Manual dazugebaut mit elektronischer Zuckerwatte.
Diese Einspielung wurde kommentiert auf orgel-information.de .
Dispo und Fotos gibt es auf 4097 Berlin-Charlottenburg .

Verrohrung eines 3manualigen

ja momentan arbeiten wir an der Verrohrung eines Dreimanualigen, dessen Identität wir aus verschiedenen Gründen nicht lüften wollen. Eines aber sei gesagt, es sind wohl um die 7,5km Bleirohr die in diesem Wunderwerk der 30erJahre-Technik stecken und die uns nicht wenig Kraft beim Knieen und Biegen abverlangt. Irgendwannn einmal werden wir die Anzahl der Relais und Ventile die in diesem Spieltisch steckt, der mit 17 Koppeln einiges an Kopfzerbrechen zukommen lässt, hier darstellen.

Organola von Walcker

Im "Mechanischen Musikinstrument" fanden wir zwei große Artikel in Sachen "Walcker-Organola".
Nach der Beschäftigung damit kam mir der Gedanke dieses interessante Dokument, das weitere, tiefgehende Perspektiven zu dieser Entwicklung im Walcker-Orgelbau aufzeigt, hier auf unserer Webseite vorzustellen.
Hier also die Organola.PDF Datei [25.384 KB] (1984 ist der Artikel im "Mechanischen Musikinstrument" erschienen), die Walcker-Organola wurde 1904 patentiert.
Diese Zeichnung rechts oben zeigt den Spieltisch in Worms Pfeddersheim, wo eine spielbare Organola eingebaut ist.

Opus 3389 Ettal, Benediktinerabtei

In der Internatskapelle findet sich diese wunderschöne Walcker-Orgel aus 1959. Jetzt wurde das Instrument schön gereinigt und wieder gestimmt und wie der Leiter des Schulorchesters mitteilte, ist es eine ergreifende Freude wieder den ursprünglichen und unveränderten Klang erleben zu dürfen.

Walcker-Orgeln mit Hängebalgladen

Als wir vor genau 10 Jahren in Kairo während der Revolution mit der Wiederherstellung der Walcker-Orgel in der Deutschen Kirche beauftragt wurden, war ich zunächst einmal 6 Wochen mit der technischen Bearbeitung dieses Projektes beschäftigt.

Ein Jahr später wurde ich vom VOD (Orgelsachverständige Deutschlands) eingeladen, über die Elektropneumatik [2.015 KB] einen Vortrag zu halten.
Alle diese Umstände haben dazu geführt, dass ich mich umfangreich mit diesem Thema beschäftigen konnte. Auch in diesen Tagen wieder haben wir uns mit Elektropneumatik im ehemaligen Jugoslawien und mit einer Walcker-Orgel zu befassen, die Hängebalgladen aufweist.
Für mich persönlich war der starke Eindruck, den diese Hängebälglade von Kairo auf mich hinterlassen hat, Triebfeder, immer wieder dieses Windladensystem zu studieren. Stärker als bei Taschenladen war hier das mechanisch bedingte Anblasgeräusch bei Streichern und Zungen.

Der hier gezeigte Spieltischschnitt zeigt den elektrischen Spieltisch der Walcker-Orgel Opus 1855 für Rotterdam (jetzt in Doesburg) gebaut 1915, dessen Kabel in wunderschön gebauten Relais-Schränken führen. Die Tasten bewegen eine Mechanik, welche mit Excenterkontakten verbunden sind. Das sind runde Stäbe, die mit einem Metallstift Silberdrähte berühren und damit schalten.
Eine logische und einfache Konstruktion, die aber durch die Sub-Superkoppeln ausschweifende Kabelansammlungen verursachte.
Nicht zu unterschätzen ist der Induktionsfunke, denn zur Erbauungszeit gab es keine Elektronik, die diese kurze Hochspannung hätte reduzieren konnte. Man behalf sich teilweise mit bifilar gewickelten Spulen.

Ein wahrer Augenschmaus stellt die Schnittzeichnung dieser Orgel für mich dar, die ebenfalls diese umwerfend klare Logik zeigt, mit der die Orgel aufgebaut ist. Die dunklen, quadratischen Kästchen beherbergen die elektropneumatischen Tonsteuerungen, die per Kabel angesteuert und dann über Bleirohre die an die Windladen angebauten Relais dirigieren.
Sehr schön ist auch das krönende Fernwerk aufgestellt, dessen Schwellwerk in einen 20m langen Klangkanal führt, der für die Fernwirkung der Klangabstrahlung sorgt. Eine ähnliche Konstruktion war dies in Kairo.
Hängebalgladen sind aufwendiger zu gestalten als Taschenladen. Beide Systeme sind sogenannte Ausstromsysteme, das heißt, das Relais entlässt Wind aus dem Ventil, damit es die Windöffnung zur Pfeife freigeben kann. Als Orgelbauer hat man beim Hängebalgventil die Möglichkeit Regulierungen vorzunehmen. In Zeiten der Ökonomie der 1920-30 Jahre wurden nur noch Taschenladen gebaut.
Die größte Walcker-Orgel mit Hängebalgsystem war diejenige im Hamburger Michel 1912.

die ehemalige Bornefeld-Orgel in Murrhardt

Aus aktuellem Anlass, ein Freund dieser Orgel hat mich gebeten, doch die Schallplatte von Frau Ullmann wieder zum Leben zu erwecken, was hierdurch geschehen ist.

Ein kleiner Kommentar sei erlaubt.
Wenn wir Handwerker eine Orgel zeichnen (gestalten), dann verwirklichen wir eine Sammlung von Eigenschaften, die meist nur optisch wahrgenommen werden können. Eine Orgel aber nehmen wir in der Regel mit allen fünf Sinnen wahr und besonders der Hörsinn gibt uns am Ende Aufschluss, ob wir dieses Instrument mögen oder nicht. Aber auch dies geschieht meist durch mehrmaliges Abtasten des Klanges durch das Hörorgan. Außerdem kommt hinzu, dass uns die Gegenwart und Vergangenheit, also die Historie Daten liefert, die wir meist unbewusst diesem Hörerlebnis beifügen. In der Regel ist es auch "alte Musik", die gut oder weniger gut interpretiert uns zur Orgel hin- oder wegführt. Am Ende eines Orgellebens nun muss man sich eingestehen, dass die Vielzahl an Eigenschaften eines solch komplexen Dinges wie einer bestimmten Orgel unendlich viele Möglichkeiten in sich birgt, die man nie restlos ausschöpfen kann. Und es kommt noch besser, oft wundern wir uns nach Jahren eine geliebte Orgel wie ein Rosenblatt in einem Erinnerungsalbum nun gar als verdorben anzusehen, wie bei mir geschehen bei der Murrhardter Bornefeld-Orgel. Schön war es das Holz im Schumannschen Kanon tröpfeln zu hören, mit dem Schalk der Kurzbechrigen sich widersprechend, weniger schön, gar abstoßend der aliqoutenstarrende Reger.... So also spricht die ewig irrende Wahrnehmung mit dem Ruf nach Ewigkeit.

Die Schallplatte von Elisabeth Ullmann wurde vom Verlag meines Vaters, dem Musikwissenschaftlichen Verlag mbH erstellt und am 3.Aug. 1978 durch Tonstudio Bauer aufgenommen und wird hier als MP3-Sammlung kurzfristig zur Verfügung gestellt.

(1) Wolfgang Amadeus Mozart - Fantasie f-Moll- 12'50 . mp3 [7.178 KB]
(2) Dietrich Buxtehude – Präludium und Fuge fis-Moll – 7’30track-.mp3 [4.483 KB]
(3) Max Reger – Fantasie über den Choral „Halleluja! – 15’45 mp3 [9.330 KB]
(4) Robert Schumann – Fuge über B-A-C-H op60/5 – 2’13.mp3 [1.336 KB]
(5) - Kanon op 56/5 – 2’38.mp3 [1.585 KB]
Helmut Bornefeld “Die neue Orgel der Klosterkirche Murrhardt”, 7seitiges Heft des Konzipienten

Bliederstedt - Maul-Orgel

Mitte September haben wir unsere Arbeiten in Bliederstedt beendet und etwas später darauf unsere Dokumentation zu dieser Orgel abgeschlossen.
Sehr interessant waren für uns dabei die Umstände, wie wir sie bisher noch nicht bei vergleichbaren Walcker-Orgeln der Zeit um 1872 angetroffen haben. Jedenfalls ein lehrreiches Stück Orgelgeschichte - vielleicht kann sich der eine oder andere für solch einen Mosaikstein der deutschen Orgelbaugeschichte erwärmen. Würde mich freuen das eine oder andere Wort dazu zu hören.
Momentan arbeiten wir an der Restaurierung eines pneumatischen, dreimanualigen Spieltisches mit insgesamt 17 Koppeln, der sehr viel Konzentration erfordert.

retro 1965

Das im nachfolgenden Link genannte Retro-Video stammt aus 1965. Wer diese Zeit gründlicher verstehen lernen will, sollte es unbedingt ansehen. Walter Supper deutet den organolen Bienenkasten der Zeit. Lautstärke zu Beginn unbedingt drosseln! GottseiDank hat man ihm nicht ein Krummhorn in die Finger gegeben, da wäre der Gaul mit ihm durchgegangen....
Zwei Jahre später war ich mit dem Intonateur Schramm als frischgebackener Lehrling im Hause Suppers.- Es ging wohl um Feineinstellungen zur Ulmer-Münster-Orgel. Supper konnte sich nicht zügeln und musste uns seine Hausorgel in allen Finessen vorführen. Nachdem wir Supper's Haus verlassen hatten, kommentierte Schramm mit breitem Grinsen: "das klang ja wie in einem Bienenkasten". So also waren die Geschmäcker.
Hier also ARD-Retro 1965

Walcker Opus 1763 Libau (Liepaja)

Ein hochinteressantes Orgelprojekt wurde mir vor ein paar Tagen vorgestellt mit der Walcker-Orgel in "Libau". Heute nennt sich die lettische Stadt Liepaja und liegt direkt an der Ostsee westlich ca. 100km von Riga entfernt.
Die Orgel scheint original erhalten zu sein. Es war 1913 ein gewaltiger Umbau der von Walcker durchgeführt wurde, mit erheblichen neuen pneumatischen Relais und etwa 30-50% neuem Pfeifenwerk.
Die Disposition schien mir sehr interessant, auch in Zusammenhang mit der bevorstehenden Einweihung der Walcker-Orgel in St. Michaeliskirche in Hamburg 1914, weswegen ich diese abgeschrieben und unten eingefügt habe.

1763 Libau Dispo

Thüringen und seine Kirchen

Thüringen ist ein seltsames Land, oder ist es so, dass einem Spätheimkehrer das ganze deutsche Land schon langsam als magisch verklärte Illusion vorkommt. Aber in manchen Kirchen wie hier in Westgreussen, da bekommt man schon ein seltsames Kribbeln an den Unterarmen, wenn man hoch zur toten Orgel blickt. Wie konnten sie hier nur diese herrlich unberührte, zurückhaltende Kunst, wie wir das auf dem nebenstehenden Foto sehen, in dieser Reinheit so lange bewahren. Und nun ist es als ob man in ein "abandoned home" zurückkehrt in dem man vor Ewigkeiten Heimlichkeiten ausgetauscht hat. Viele Kirchen und viele Orgeln, so meine ich, sind im Angesichte der finanziellen Schwierigkeiten, die Staat und Kirche in den nächsten Jahren zu überwinden haben, rettungslos verloren. Sterbende Schwäne, die Lohengrins letzte Gesänge lorbeerbegränzt hinaus auf den stillen See tragen, am Ende der Reise in eine böcklinsche Toteninsel einkehrend, an der nur noch Stille herrscht, die von keinem Orgelton mehr gebrochen wird.

200 Jahre Eberh. Friedrich Walcker in Ludwigsburg

Auch in Zeiten der Seuche ist es an der Zeit an die Alten zu denken. Und zwar haben wir das Jahr 1820, als Eberhard Friedrich Walcker sich als 26 jähriger Orgelbauer in Ludwigsburg neben dem Schloss selbständig gemacht hat, also ein rundes Jubiläum. Sein Opus 1 steht schon längere Zeit nun in diesem Schloss und bezeugt sein großes handwerkliches Talent. In meinem Büro hängt ein Entwurf von EFW aus dieser Zeit (1825) für Markgrönigen, der in einer solch großartig einfachen

Aquarelltechnik (Bild rechts) erstellt wurde, dass dieses Stück Papier mir schon seit 30 Jahren oder mehr als höchster künstlerischen Anspruch im Bildgestalten schlechthin gilt. Das selbe trifft auf die außergewöhnliche Klanggestaltung des Meisters zu, der von Gerhard Lenter in einem jüngsten Telefonat mir als großes Genie genannt wurde. Aber das wussten wir im Gegensatz zu den Neobarockis ohnehin von Geburt an.
Eberhard Friedrich Walcker wird nun auch im Frankfurter Personenlexikon mit Bild geführt.

Opus 4800 Walcker-Orgel mit Rössler Mensuren

Eine hochinteressante Orgeldisposition vom berühmten Orgelgestalter Ernst-Karl Rößler gibt es in der Peterskirche zu Weinheim (III/62, Bj 1965) zu bestaunen. Die filigranen Aliquoten und wunderbaren Teiltongestaltungen von Rößler sind wahrer Ohrenschmaus, das hat absolut nichts mit den lauten und tumben Cymbeln oder Mixturen der Supper-Gesellschaft und 60er Jahre zu tun. Es ist schön, dass dies auch von den Orgelfreunden in Weinheim erkannt wurde und die Orgel in würdiger Atmosphäre erhalten wird. Hier der Link zum Orgel-PDF der Orgelfreunde. Die Fotografie ist allerdings ein Wagnis besonderer Art, aber daran haben wir uns längst gewohnt, es wurde von mir etwas in den Tiefen aufgehellt, damit man wenigstens die Pfeifen sieht.

Bilder seltsamer Orgelpfeifen

Seltene Orgelpfeifen, so ist unser neuester Blog untertitelt, der eine Sammlung von Orgelpfeifen in bester Auflösung zeigt, die man als normaler Organist oder Orgelbauer so gut wie garnicht mehr zu Gesicht bekommt. Da wäre zuerst mal eine der wohl ältesten Pfeifen auf diesem Planeten zu nennen, die von einer römischen Orgel aus 226 n.Chr. stammt (und dazu einige Kopien, die in römischen Museen heute zu hören und zu sehen sind). Weiteres hier....

Neues in unserem Archiv

Die Walcker-Orgel Opus 416, gebaut 1882 mit mechanischen Kegelladen und herrlichem original erhaltenem Pfeifenwerk in der Klosterkirche St. Markus in Saulgau-Sießen ist in jedem Falle einen Besuch wert. Hier haben wir bis auf den Zinnprospekt, der 1986 von Mönch & Prachtel erneuert wurde, komplett erhaltenes Klangmaterial. Im II.Manual Hinterwerk befindet sich eine durchlagende Physharmonika, die durch eigene Mechanik gespielt wird. Interessant dürfte auch der Violonbaß 16' im Pedal sein, der von C-G mit 8'+5 1/3' akustisch gestaltet wurde. Die Orgel ein schönes Beispiel deutsch-schwäbischer Spätromantik. Hier zu finden.

kompletter Walcker-Katalog 1902

Endlich kam die Zeit ein lange vorbereitetes Projekt zum Abschluss zu bringen: der Walcker-Prospekt aus 1902 mit rund 58 Seiten ist nun als online-Galerie verfügbar. Jede einzelne Seite kann als Bild heruntergeladen werden. Diese Bilder haben eine Auflösung von rund 450kB und sind somit in Schrift und Bild optimiert.
Im Jahr 1902 baute Walcker seine 1000ste Orgel nach Danzig. Im Prospekt sind nicht nur die "Riesen" wie Ulm, Boston oder Riga ausführlich dokumentiert, sondern es sind alle Orgeln aufgelistet, die Walcker bis zur Herausgabe des Katalogs 1902 gebaut hat. Hier die webadresse zur online-Galerie der Firma E.F.Walcker & Cie 1902.

english
Finally, the time came to complete a long-prepared project: the Walcker brochure from 1902 with around 58 pages is now available as an online gallery. Each single page can be downloaded as a picture. These images have a resolution of about 450kB and are thus optimized in writing and image.
In 1902 Walcker built his 1000th organ to Danzig. The brochure not only documents the "giants" such as Ulm, Boston or Riga in detail, but lists all the organs that Walcker built up to the publication of the catalog in 1902.
webadresse zur online-Galerie der Firma E.F.Walcker & Cie 1902.

kompletter Sauerkatalog 1929

Vor 90 Jahren hat Oscar Walcker, als damaliger Eigentümer der weltberühmten Orgelbaufirma Sauer einen Katalog erstellt, den wir von 3 Seiten abgesehen, komplett in Form einer Galerie in hoher Auflösung hier zeigen. Damit sind alle Dispositionen, Bilder und Erläuterungen des Verfassers bestens lesbar.
Jedes Bild kann mit Rechtsclick geladen werden. Besonderen Augenmerk verdienen die schönen Werkstattfotos und natürlich die Orgel der Jahrhunderthalle in Breslau. Das Titelblatt stammt übrigens als Aquarell von Oscar Walcker.

english
90 years ago, Oscar Walcker, as the owner of the world-famous organ builder Sauer, created a catalog, which we show here completely in the form of a gallery in high resolution. Thus, all specifications, pictures and explanations of the author are perfectly legible.
Each image can be loaded with right-click. The beautiful workshop photos and, of course, the organ of the Jahrhunderthalle in Breslau (Wroclaw) deserve special attention. Incidentally, the title page is a watercolor by Oscar Walcker.

zur Murrhardter Stadtkirchenorgel

Zu meinem Artikel "Murrhardt & die sieben Schwaben" hat sich der zuständige Orgelsachverständige B. Goethe gemeldet. Seine ausführliche Stellungnahme gibts auf unserem Blog. Mein ökologischer Einwand wurde allerdings schlicht übergangen. Zu Goethes Stellungnahme haben wir eine ganze Latte an Kommentaren erhalten, die alles andere als Verständnis für dessen Darlegung offenbarten. Außerdem wurde uns die CD "Helmut Bornefeld- Das Choralwerk" aus 1988 geschickt, die wir aus lauter Begeisterung hier gleich hochgeladen haben. Sowohl Booklett und Musik können dort heruntergeladen werden. Wir haben außerdem in einem Blog dazu Stellung bezogen.

Walcker-Orgel in Edinburgh Bj 1902

Great (in bass case on left)
1. Open Diapason 8 (most facade pipes
2. Hohl Flote 8
3. Dolce 8
4. Octave 4
5. Harmonic Flute 4

Swell (in treble case on right)
6. Lieblich Gedeckt 16
7. Lieblich Gedeckt 8
8. Geigen Principal 8
9. Aeoline 8
10. Voix Celeste 8
11. Geigen Principal 4
12. Horn 8

Pedal
13. Open Diapason 16 (partly metal
14. Subbass 16 (wooden, in left hand, bass case)

Couplers (stops under Great keyboard)
Swell to Great
Swell to Pedal
Great to Pedal
Swell Super Octave
Great Super Octave

Eberhard Friedrich Walcker Geburtshaus

Vier romantische Walcker-Orgeln in Ostdeutschland

Vier wunderschöne spätromantische Walcker-Orgeln hat uns Christian Schmidt, Bad Düben, in den letzten Tagen zugestellt. Danke! Hier wird eine wirklich großartige Atmosphäre in sächsischen Kirchen geoffenbart. Ein tiefes Eintauchen in die Zeit vor den Weltkriegen weht aus diesen Bildern herüber. … Weiterlesen

Der Beitrag Vier romantische Walcker-Orgeln in Ostdeutschland erschien zuerst auf blog.walcker.com.


AeolineBlog

Cor anglais in der Schyven-Orgel zu San José

Das Cor anglais 8′ im II.Manual (Positif) der dreimanualigen, mechanischen Schyvenorgel war mindestens seit 50 Jahren unspielbar. Und es ist auch jetzt nicht unbedingt ein ausgeglichenes Musterbeispiel für durchschlagende Zungen. Aber wir konnten in Anbetracht sehr begrenzter Zeit wenigstens die … Weiterlesen

Eberhard Friedrich Blog

Eberhard Friedrich Walckers Stellungnahme gegen Pneumatik & pro Barker

Von dieser Stellungnahme aus dem Jahre 1868 haben wir hier ein Abschrift, aus der man die Schlussfolgerung des Meisters nachvollziehen kann. Es spricht sich ausdrücklich für den Barkerhebel aus und gegen die von dem Briefpartner bevorzugten und angebotenen pneumatischen Registertraktur. … Weiterlesen

OrgelbuchBlog

Die Orgel – eine seltsame Kulturgeschichte

zu Karl-Heinz Göttert „Orgel – Kulturgeschichte eines monumentalen Instruments“ Nein, ich habe mir dieses Buch nicht gekauft, es wurde mir wegen irgendwelchen Bildern, die aus unserer Webseite dort Verwendung fanden, einfach so zugeschickt. Jedoch habe ich noch nie ein Orgelbuch … Weiterlesen

Opus séquentiellement

an der Quelle der parlament. Demokratie

Im Zentrum der Revolution von 1848: Die Walcker-Orgel aus 1827 in Frankfurt
Brief Eberhard Friedrich Walckers an seine Gattin im August 1850 aus Russland. Als Anschrift diente: "Herrn E.Fr. Walcker Orgelbauer in Ludwigsburg Königreich Würtemberg"