Anmerkungen zu Aquincum

Die Orgel ist mehr...
antike Windanlagen
, ein Thema, das bei der Rekonstruktion der Werner Walcker-Mayerschen Aquincum Orgel ausgeklammert wurde, das aber heute umso interessanter ist, da mehr und mehr Erkenntnisse über die "Wasserorgeln" auftauchen.
Es gibt das berühmte Mosaik in Nennig siehe rechts (Nennig liegt im Dreieck Trier-Merzig-Luxemburg), das ein Bauer im Jahre 1852 bei Erdarbeiten entdeckte. Im Zentrum des Villen-Palastes fand sich ein Gladiatorenmosaik, das u.a. zwei Musikanten zeigt. Einer davon ist ein Wasserorgelspieler. Man sieht zwei Pumpen, rechts und links der Orgel, neben dem sechseckigen Unterbau des Instrumentes. Mit diesen Pumpen werden Luftstöße in den Luftdruckkasten geleitet, der sich in einem Wasserbehälter befand. Diese Vorrichtung wandelte die Luftstöße in einen gleichförmigen Druck um. Anstelle der Balgplatte mit Gewichten, diente das Gewicht des Wassers. Die Bezeichnung "Wasserorgel = Hydraulos" stammt zweifellos von dieser Balganlage, die in sehr vielen antiken Abbildungen (Münzen, Tonformen, Mosaiken etc.) aufgefunden wurden und die daher heute, auch wegen der dezidierten Beschreibung des Architekten Vitruv um 50n.Chr., problemlos rekonstruiert werden kann. Vitruv übrigens beschreibt, dass es Orgeln mit 4-8 Registern gab.
Die antike Orgel (Aquincum) hat einen Tonumfang von 13 Tönen auf vier Register. Drei Register sind gedeckt, ein Register ist offen, damit haben wir 4 x 13 = 52 Pfeifen in diesem Instrument. Die Abstände der gedeckten Register ist zwischen höchsten und tiefstem Register nur eine Terz, maximal eine Quarte groß, dazwischen liegt das mittlere Register. Der Tonumfang innerhalb der dreizehn Pfeifen ist etwa auf einer Duodezime verteilt. Die griechische Musiktheorie (Lohmann - Musiké und Logos) ist die Grundlage, auf der die Pfeifenabstände und Längen beruhen. Hier war Phytagoras mit seinen umfassenden Forschungen am Monochord der Ausgangspunkt.
Die Stimmung dieser dreizehn Pfeifen kann unter Verwendung von phytagoräischen Tetrachorden vorgenommen werden. Das erlaubt ein Stimmen des Instrumentes unabhängig von anderen Klangquellen, während bei Verwendung von anderen Tetrachorden das Monochord herangezogen werden muss. Stimmt man rein phytagoräisch (reine Quinten, teils reine Terzen) dann hat man bei dieser Orgel tatsächlich das Lima (griech. das Übriggebliebene) übrig. Wir wissen heute, dass das phytagoräische Stimmungssystem seit der Antike bis ins Mittelalter als Maßgabe für Instrumentenstimmungen herhielt.
Man kann, wie es Werner Walcker-Mayer in seinem Buch getan hat, die Aquincum-Orgel, als ein "System von Tonarten" interpretieren, das den "Register-Komplex" auf dieser Orgel darstellt, und nun folgt die weitere Interpretation von Johannes Lohmann, der so gesehen sogar in einem zentralen Punkte - das Geschick eines der schicksals-trächtigen Begriffe in der menschlichen Geschichte, nämlich des als griechischen entstandenen und heute zu einem "menschheitlichen" gewordenen "terminus technicus" System. Wobei das "Problem des Systems" identisch ist mit der Form, und umgekehrt! (Lohmann in System und Element).
Damit gewinnt die Orgel als tetraktisches Grundsymbolon erneut an Bedeutung. Denn so gesehen ist die Orgel der systematische Ausgangspunkt der gesamten abendländischen Technik und deutet weit über den christlichen Bezugsrahmen hinaus.
(gwm) ohne Fußnoten ausgekommen, weil keine Doktorarbeit anvisiert ist!

Darstellungen antiker Orgeln