Solingen Lutherkirche

aus der Lutherkirche Solingen

Konzert würdigt drei Großmeister der Orgel: KMD Stephan Paul Audersch, Leipzig, musiziert in der Lutherkirche Solingen. Beitrag im Solinger Tageblatt.
Ja, es war ein umwerfendes Konzert am vergangenen Samstag in der Solinger Lutherkirche, an der Weyland-Orgel aus 1960, in deren Klanggestalt ich mich mehr und mehr verliebt habe. Nun, nachdem wir die etwas kratzbürstigen Trompeten und Kurzbechrigen klanglich ausgeglichen haben, wirkt diese III/53 Orgel mit ihrer Farbenpracht und dem damit verbundenen Klangreichtum auf jeden Orgelhörer umwerfend. Ein butterweicher, warmer Bassteppich als Schlußakkord am Ende des Konzerts, am Ende von Jean Langlais "Elevation", ließ die Zuhörer in aufmerksamer Stille zurück. Keiner wagte zu klatschen. Die rund 90 Minuten Langlais-Bach-Langlais-Hindemith-Langlais-Bach-Langlais zeigten Orgelspielkunst in großer Vollendung, welche durch die herrliche Akustik der Kirche spazieren ging. Als seien Klänge von Menschengestalt.
Ein schöneres Konzert habe ich lange nicht gehört. Und wieder einmal war es mir Beweis, dass eigentlich nur das live-erlebte Konzert solche Wucht entfalten kann. (gwm)

Arbeiten in der Lutherkirche

Gestern haben unsere Arbeiten am Riesenbalg der Lutherkirche in Solingen begonnen. Dieser Magazinbalg hat mit einer Länge von 3,5m und einer Breite von 1,4m solche Dimensionen, dass man zum Neubeledern neue Wege beschreiten muß. Das erste Bild links zeigt Kantor Ludwig Audersch beim Ausbau eines Stimmgangs (keine Angst es brennt nichts). Bei den unteren zwei Bildern sieht man die nicht unerheblichen Dimensionen dieses zweifaltigen Magazinbalges. 02.09.13 gwm

Doppelfaltenbalg

erstes Blaupapier auf dem Magazinbalg in Solingen

Um solche Bälge neu zu beledern sollte man zwei grundsätzliche Regeln beachten:
1. Die einwärtsgehenden Falten sind im unteren Balg positioniert und die Zwickel (die vier Lederecken) müssen immer in gespannten Zustand angebracht werden. Das sieht man auf diesem Foto rechts ganz gut. Wenn der Balg zusammenklappt, werden die Zwickel dieses Balgteils entspannt.
2. Während bei den auswärtsgehenden Falten, im oberen Balg, die Falten genau umgekehrt arbeiten, also die Zwickel im aufliegendem Zustand gespannt aufgeleimt werden. Als Leim kommt nur Haut-oder Knochenleim in Frage.
Auf dem Foto rechts sieht man den unteren Balg auf dem Kopf liegend. Es wurden 45/90 Grad Winkel an die Falten angebracht, damit die Falten die maximale Position einnehmen. Die Holzfalten sind mit Darmsaiten verbunden und werden damit auch an die Rahmen des Balges befestigt. Diese Saiten dienen als Scharnier, während die Lederbänder nur Dichtungsfunktion haben. Die langen Bänder kann man in geschärftem Zustand kaufen, was eine Menge Arbeitszeit einspart.
Für die Neubelederung dieses Balges haben wir in der Kirche 2,5 Wochen eingeplant.

strange stops in Luther Solingen

zum Video "strange stops Luther"

nur der kurze Hinweis, dass es sich bei der zweiten Impro um Terzzimbel im III.Man und bei der dritten um ein altes Fugara 4 II.Man. handelt, das jetzt als Oktave 4 bezeichnet wird. Die wunderschöne Flöte im I.Man. (Offenflöte aus Holz) am Schluss im Gegenspiel mit Krummhorn 8 im III. haben schöne solistische Eigenschaften.
Dispo der Orgel findet man hier. Dank an Ludwig Audersch!

Art und Umfang der Arbeiten sowie deren Kosten

Einbau sowie Anschluss von 61 Registereinstellmagnete unter Verwendung der gravierten Registertasten. Dazu werden 3 Schlüsselschalter gebaut, durch welche 4 Hauptgruppen eingeschaltet werden können. Mit den Sequenzertasten < (rück-Schritt) und > (vor-Schritt), die in die Backen oder rechts und links des Spieltisches eingebaut werden, können die gespeicherten Registerkombination leicht abgerufen werden. Ebenso werden auch solche Sequenzerschalter als Fußpistons eingebaut. Eine Digitalanzeige ermöglicht dem Organisten, sich schnell einen Überblick über den Stand der aufgerufenen Kombination zu verschaffen. Die Grundausstattung wäre mit 32 Speicherebenen, 8 Gruppen (A-H) und 8 Kombinationen (1-8) sowie 2 festen Kombinationen (Pleno und Tutti) sowie den 4 Schlüsselschaltern als 4 zusätzliche Blöcke und somit wäre es eine Setzerkombination mit insgesamt 8.120 Kombinationen.
Die Walze kann ebenfalls von Setzer gespeichert und geändert werden. Die Register können still zu den Handregistern dazugeführt werden, ohne dass die Handregisterstellung beeinträchtigt wird.
Kosten dieser gesamten Arbeiten wurde unter 20.000,--Euro fertiggestellt.

die alte und die neue Walze
der alte und der neue Rücken