2432 Martin-Luther-Gedächtniskirche Berlin-Mariend

Disposition und Kurzgeschichte

Die Disposition und eine Kurzgeschichte dieser Orgel finden wir als Auszug aus dem Buch von Prof.Dr. Michael Kaufmann "Orgel und Nationalsozialismus" als PDF. berlin2432.pdf [3.894 KB]

zum unteren YOUTUBE-Video von Kondziella, das einfach gut gemacht ist und hervorragend die Orgel zeigt mit der Ironie "den Siegesgesang Israels" auf der einzig übrig gebliebenen Naziorgel zu zelebrieren, nur den einen einzigen Kommentar: muss man gesehen haben! Vielleicht Symbol für die Wandlung einer ganzen Nation.

Kondziella an Walcker-Orgel Martin-Luther Berlin

Link zur Orgelseite Opus 2432

Orgelkonzert

ORGELKONZERT auf der WALCKER-ORGEL OPUS 2432 in der Martin-Luther-Gedächtniskirche Berlin-Mariendorf auf der Walcker-Orgel Opus 2432 von Martin Schulze mit Mp3 files angerichtet und mit einer ganz schönen Reihe an Fotografien. Diese Orgel war das erste größere Orgel-Instrument bei einem Reichsparteitag der Nazis in Nürnberg (1935) und es ist ein Instrument der Orgelbewegung, eine Art Schwester der Bukarester Walcker-Orgel (1939). Daher und aus weiteren Gründen, die in der Betrachtungsweise des Nationalsozialismus begründet liegen, habe ich eine etwas ausführlichere Seite mit diesem Konzert gestaltet und hoffe, dass wir ein paar Schritte näher an die Aufarbeitung dieser Problematik kommen werden. Die Klänge der Orgelbewegung können nicht einfach mit den Klängen der nach dem II.WK gebauten Neobarockorgeln verglichen werden. In den 30er Jahren haben noch

Intonateure gewirkt, die aus der Spätromantik kamen und die durchaus spielerisch mit den neuartigen Aliquotstimmen jener Orgeln umgegangen sind. Ein anderes ist der Umgang mit der politischen Situation dieser Zeit. So haben wir in der Martin-Luther-Gedächtnis-Kirche einen "germanischen Jesus" der in anderer Form in Reih und Glied mit "braven Soldaten" an der geschnitzten Holzkanzel zu sehen ist.
Hier noch ein Kommentar, der natürlich seine Berechtigung hat: Hallo Herr Walcker, diese Orgel hat einen besonders guten Klang und verdient unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Das sollte uns heute trotz den verworrenen Startschwierigkeiten im Jahr 1935 nicht den Blick dafür versperren. Vielleicht kann Geschichte, wie in diesem Fall auch hinderlich sein. Die Intonation besonders der Mixturen ist mehr als bemerkenswert. PL

Op 2432 "der originale Spieltisch"

... der natürlich eine ganz andere Gestalt hat, als der jetzige Eisenschmidt. Wir sehen hier den Spieltisch noch beim Parteitag von 1935. Durch Kriegseinwirkungen drang Regenwasser in die Orgel und hat dem alten Spieltisch den Rest gegeben. Das komplette Instrument soll über anderthalb Jahre im Freien gestanden haben. Dieser Spieltisch zeichnet sich durch einfache, klare Logik aus. Allerdings wäre ergonomisch zu prüfen, ob die herunterhängenden Registerstaffeleien nicht zu Beeinträchtigung der Fußarbeit geführt haben.

CD Holtmeier auf der Walcker-Orgel Op.2432

in Berlin.Mariendorf, Martin-Luther-Gedächtniskirche....
Ich bin mir sicher, dass Sigfrid Karg-Elerts Symphonischer Choral "Jesu meine Freude" gespielt von Heiko Holtmeier auf der Walcker-Orgel in Berlin-Mariendorf zu meinen schönsten klanglichen Ereignissen in diesem Jahr gehören.
Aber lassen Sie mich ein paar Worte zum weiteren Musikgeschehen sagen, immer noch bei Karg-Elerts Choral sinnierend:
Die Hornoboe 8'vereint mit Subbaß und Sanftbaß greifen ins Gemüt. Wenn dann noch diese Orgel mit ihren braven Posaune16 und Prinzipalen 16+8 zu marschieren anfängt, wie im dritten Satz " Fuga con corale", werden alle meine Träume wahr und das Herz beginnt wieder zu lachen - und genau dann wenn dieser strahlende Schlussakkord der mir die fehlende übersatte Bombarde offenbart, die sich offensichtlich aus anderen Stimmen rekrutiert und dessen Klang mir schon bei Martin Schultes Konzert angenehm ins Ohr sprang.
Auch offenbart mir dieses Klanggeschehen eine ungewöhnliche schöne Orgel: wie schön kann Karg-Elert sein, an der richtigen Orgel.
Es sei nicht verschwiegen, dass mir als NichtFranzose der heutzutage praktizierte federleichte Impressionismus oft heftig gegen den deutschen d'expression geht. Ich kann mich mit Vierne anfreunden, im Wissen um die Klänge dieser Orgel in Berlin, aber wir sehen auch, wie man auf die heutigen überzüchteten Mixturen kommen konnte: es ist irgendeine abstrakte Diskussion, die auf die Quellen der Klassik zurückreicht, in praxi aber ist mir nicht bekannt, dass man in den 30Jahren solche Mixturen in Walcker-Orgeln (noch weniger in Steinmeier- oder Voitorgeln) kannte. Diese Schärfe passt einfach nicht in das noch in den 30er Jahren vorhandene Bekenntnis zur Crescendowalze. (Reger war einfach ominpräsent in allen großen Orgelkonzerten).
Auch bei Messiaen "Dieu parmi nous", das sich vorzüglich mit dieser Orgel verbindet, sind die Mixturen in manchen Passagen Totschläger. Aber es ist einfach ganz große Klasse von Holtmeier gespielt, der hier nicht nur virtuos erste Garnitur ist, sondern unheimlich geschickt die Register einsetzen kann.
Eine der besten OrgelCDs in diesem Jahr! Gratulation.
Endlich wieder etwas zu beissen.
(gwm)

Von Horst Brauner von JUBAL-Musikproduktion wurde mir erlaubt MP3-Auszüge hier zu zeigen. Wir haben uns für den ersten Satz Karg-Elert-Choral "Jesu meine Freude" [6.423 KB] (MP3-file) entschieden, das hier angehört werden kann.

Programm, Booklett- und Vertriebhinweise

Weitere Hinweise über die Orgel auf unseren Internetseiten:
http://www.walckerorgel.de/gewalcker.de/opus2432.htm (mit kompletten Konzert von Martin Schulze)
http://www.walckerorgel.de/gewalcker.de/opusdiabolo.htm(die obengenannte Orgel wurde 1935 zum Parteitag der Nazis eingesetzt, zu einem Zeitpunkt, als die Rassengesetze verkündet wurden. Die Tragik, mit der Orgel sich mit Nationalsozialismus verband, hat unsere Haltung zu Kultur und Religion enorm geschädigt. Die Aufarbeitung steht an. Aber leider wurde bisher außer dem hervorragenden Buch von Michael Gerhard Kaufmann nicht viel mehr geliefert.)
PDF-Dokument Opus 2432 [3.894 KB] mit Disposition und Auszügen aus "Kaufmann - Orgel+Nationalsozialismus"

Konzert auf der Walcker-Orgel