2318 Klingenstein

Dispo

sehr schön gemachte PDF von [3.043 KB] Daniel Tomaselli mit hervorragenden Bildern aus der Orgel, Spieltisch, Pfeifenwerk

Klingenstein ev. Kreuzkirche

Erbauer : E. F. Walcker & Cie., Ludwigsburg
Baujahr : 1931
Opus-Nr. : 2314
I Manual C-g3
01 Principal 8´ [8]
02 Flöte 8´ [9]
03 Quintatön 8´ [10]
04 Gemshorn 4´ [11]
05 Nasat 2 2/3´ [12]
06 Oktave 2´ [13]
07 Mixtur 3-4f. [14] Repetition auf c0, h0 und g2

II Manual C-g3 ausgebaut bis g4
08 Englisch Principal 8´ [21]
09 Gedeckt 8´ [22]
10 Salicional 8´ [23]
11 Kleinprincipal 4´ [24]
12 Rohrflöte 4´ [25]
13 Schwiegel 2´ [27]
14 Terzflöte 1 3/5´ [26]
15 Trompete 8´ [29]

Pedal C-f1
16 Subbass 16´ [3]
17 Zartbass 16´ [4]
18 Oktavbass 8´ [5]
19 Bassflöte 8´ [6]
20 Choralbass 4´ [7]

Die Nummern in den eckigen Klammern geben die Nummerierung im Spieltisch an, dort von links nach rechts.
Koppeln : II-P [1] I-P [2], II-I [16] als Wippe sowie als Tritt links der Walze
Ober I [17], Unter II-I [18], Ober II-I [19], Ober II [20] nur Wippe
Hilfszüge : Tremolo [30] als Wippe
2 freie Kombinationen als rote und weise Hebel über Handregister; schaltbar über Druckknopf auf Vorsatzleiste I Manual.
4 feste Kombinationen p, mf, F, T schaltbar über Druckknopf auf Vorsatzleiste I Manual, Auslöser als Metallhebel auf Vorsatzleiste I Manual.
Walze, Walze ab, Handregister aus Walze und P. Pedal II letzte drei als Tritte rechts des Schwellers.
Schweller für II vollständig elektrisch gesteuert.
Uhr für Walzenstellung und Spannungsanzeige; Betriebsspannung 14V.
2 Leerwippen [8], [28]Windladensystem : TaschenladeTontraktur : elektrisch
Registertraktur : elektrisch
Quelle : Besichtigung 30.07.2011, Buch „Historische Orgeln im Alb-Donau-Kreis“

Bild der Orgel

Einschätzung des Instrumentes

Sehr geehrter Herr Walcker-Mayer,
anbei die Disposition und einige Bilder einer höchstwahrscheinlich weitgehend unveränderten Walcker-Orgel im Ulmer Raum. Es handelt sich dabei um das op. 2314 der ev. Kreuzkirche in Klingenstein aus dem Jahr 1931. Dies ist eine elektropneumatische Taschenladenorgel mit 19 klingenden Registern und einer Windabschwächung für den Zartbass 16´.

Nachfolgend einige natürlich sehr persönliche Eindrücke.
Principal 8´auf I mit einem weichen breiten Klang. Gegenüber auf II ein „Englisch Principal“ 8´ der schwächer und obertöniger intoniert ist. Die Begriffe „leicht“ und „fein“ kommen mir hierbei in den Sinn.
Des Weiteren auf I eine eher runde und volle jedoch nicht dick oder schmierende Flöte 8´. Gut verwendbar als Solostimme bei Begleitung mit Salicional auf II oder als
Begleitstimme für Mischungen auf II. Auf II befindet sich ein Gedeckt 8´ ebenfalls weich jedoch mehr „klarer“. Als dritter labialer 8´ ist auf I ein Quintatön 8´ zu finden, welches den Eindruck eines ein orgelbewegten Gambenersatzes vermittelt. Eine hübsche Solostimme die auch in Verbindung zu einem anderen 8´ auf I bzw. als Addition zu einer Obertonmischung auf I einen deutlichen Farbakzent zu setzen vermag. Auf II steht als Gegenstück ein eher trocken streichendes Salicional 8´. Dies kann die beiden Weichor 8´ und 4´ auf II etwas abtönen, scheint jedoch im dynamischen Konzept eher die pp-Stimme der Orgel darzustellen. Der Principal 4´ ist in dieser Orgel kräftig und hell intoniert jedoch dem II Manual zugeordnet. Zusätzlich befindet sich auf II eine gegenüber Principal 4´ deutlich schwächere Rohrflöte 4´ die farblich relativ ähnlich zu Gedeckt 8´ ist. Auf I befindet sich kein Principalregister in der 4´-Lage sondern nur ein Gemshorn 4´. Dies Stimme ist von der Tonstärke mit Rohrflöte 4´ vergleichbar, jedoch deutlich obertöniger als diese und wirkt auf mich eher wie ein leiser Principal.
Gh 4´ verbindet sich gut mit den anderen 8´ auf I oder einer Obertonmischung. Auf I folgt nun ein Nasat 2 2/3´ und eine Oktave 2´ die in Verbindung mit den anderen Stimmen auf I deutlich unterscheidbare Kombinationen ermöglichen. Als Obertonregister sind auf II eine Terzflöte 1 3/5´ und ein Schwiegel 2´ disponiert. Eine einzeln disponierte 1 3/5´-Stimme scheint mir persönlich nicht besonders ideal zu sein, trotzdem ermöglicht dieses Einzelaliquot hübsche Klangfärbungen z.B. für einen c.f. in Verbindung mit Salicional 8´ und Rohrflöte 4´ eine Oktave höher gespielt als „synthetisches“ Glockenspiel. Der 1 3/5´ in Verbindung mit Principal 4´ wirkt jedoch auf mich weniger überzeugend da der kräftigere Principal 4´ die Terz „erschlägt“.
Zudem könnte der 1 3/5´ vielleicht noch besser ins Konzept integriert sein. Trompete 8´ auf II ist die einzige Stimme die mir nicht zusagt. In dynamischer Hinsicht lässt sich für meine Begriffe ein relativ bruchloses Crescendo aufbauen, das gilt auch für den eintritt der Mixtur auf I. Eine Vielzahl von Oktavkoppeln erweitert die farblichen und dynamischen Möglichkeiten. Z.B. Gedeckt 8´ + Schwiegel 2´ + OberII = ein kleines „Positiv“ mit 8´ + 4´ + 2´ + 1´ oder Trompete 8´ + Unter II-I + II-I + Ober II-I = „Bombardwerk“ 16´+ 8´+ 4´. Die Taschenladen mit elektrischer Traktur hinterlassen, von einzelnen fehlenden Tönen z.B. in Gedeckt 8´ oder Anspracheschwierigkeiten bei einigen Salicionalpfeifen, einen präzisen Eindruck.
Ich fühle mich nicht „vom System verlassen“. Ob die Sachverständigen das verwendete Material und die Verarbeitung als „gut“ oder „weniger gut“ einschätzen würden kann ich nicht beurteilen. Das interessiert mich auch nicht.
Ich habe diese Instrument als dynamisch gut ausdifferenziertes Instrument mit vielen Farbmöglichkeiten empfunden, bei dem „romantische“ und „orgelbewegte“ Elemente für meine Begriffe gut verbunden sind und ganz eigene Möglichkeiten (auch wohl ohne historisch „korrekte“ Registerpraxis) bieten.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Tomaselli