0306 Wien Votivkirche

Bild und Dispo Opus 306 Wien-Votivkirche

I.Man C-f"' II.Man
1. Principal 16'
2. Fagott 16'
3. Flauto major 16'
4. Principal 8'
5. Flötenprincipal 8'
6. Bourdon 8'
7. Viola di Gamba 8'
8. Hohlflöte 8'
9. Gemshorn 8'
10. Rohrflöte 8'
11. Posaune 8'
12. Quinte 578'
13. Rohrflöte 4'
14. Octav 4'
15. Flöte 4'
16. Clairon 4'
17. Terz 3 1/5'
18. Nasard 2 2/3'
19. Octav 2'
20. Cornettino 2'
21. Mixtur 22/3', 6fach
22. Cornett 8', 5fach
23. Scharff 1', 3fach
1. Principal 8'
2. Bourdon 16'
3. Salicional 16'
4. Gedeckt 8'
5. Salicional 8'
6. Aeoline 8'
7. Trompete 8'
8. Fagott-Oboe 8'
9. Octav 4'
10. Hohlflöte 4'
11. Spitzflöte 4'
12. Corno 4'
13. Superoctav 2'
14. Mixtur 22/3', 5fach
III.Man Pedal C-d'
1. Geigenprincipal 8'
2. Spitzflöte 8'
3. Liebl. Gedeckt 8'
4. Concertflöte 8'
5. Dolce 8'
6. Clarinette 8'
7. Fugara 4'
8. Traversflöte 4'
9. Gemshorn 4'
10. Piccolo 2'
1. Grand Bourdon 32'
2. Prinzipalbaß 16'
3. Bombardon 16'
4. Violonbaß 16'
5. Quintbaß 10 2/3
6. Octavbaß 8'
7. Flötenbaß 8'
8. Trompete 8'
9. Terzbaß 6 2/5'
10. Clarino 4'
11. Octavbaß 4'
12. Subbaß 16'
13. Bourdon 8'
14. Violoncello 8'

COPPELUNGEN & COLLECTIVPEDALE
(Tritte von links nach rechts; zuerst Bezeichnung, dann heutige Funktion)
• Piano Pedal (Ausschaltung der grünen Pedal-Register)
• III. Manual mit Piano Pedal (Tutti III mit entsprechenden Pedalregistern)
• Forte II. Manual mit Pedal (Tutti II mit entsprechenden Pedalregistern)
• Forte I. Manual mit Pedal (Tutti I mit entsprechenden Pedalregistern)
• Tutti mit Coppel I. und II. Manual (Generaltutti ohne Zungenregister)
• Coppel I. Manual zum Pedal (Pedalkoppel I)
• Coppel II. Manual zum Pedal (Pedalkoppel II)
• Coppel III. Manual zum Pedal (Pedalkoppel III)
• Solo III. Manual zum Pedal (offensichtlich nicht original: nur die drei Pedalzungen 16', 8', 4')
• II. Manual Crescendo Fagott & Oboe (Winddrossel zur Schwellwirkung der durchschlagenden
• Harmoniumstimme)
• Echo III. Manual (Schwelltritt zum Echowerk III. Manual)
• Zungenstimmen (Rohrwerktutti

Opus 306 Votivkirche in Wien

Auch die Votivkirche in Wien (pdf Opus 306) ist aus einem Todeserlebnis entstanden. Sie gilt als eines der bedeutendsten neogotischen Sakralbauwerke der Welt. Die Entstehung des "Ringstraßendoms“ neben dem Hauptgebäude der Wiener Universität steht in Zusammenhang mit dem Attentat auf den jungen Kaiser Franz Joseph I. am 18. Februar 1853 durch den Schneidergesellen Janos Libenyi. Der Bruder des Kaisers, Erzherzog Ferdinand Maximilian, rief nach dem Attentat „zum Dank für die Errettung Seiner Majestät“ zu Spenden auf, um in Wien eine neue Kirche zu bauen. Die Walckerorgel in der Votivkirche wurde 1878, zwei Jahre nach der Einweihung der Kirche gebaut. Mit 61 Register auf mechanischen Kegelladen mit Barkerhebeln stellt das Instrument mit der Walckerorgel in Riga die einzig übrig gebliebenen weitgehend unverändert erhaltenen großen Instrumente der Hochromantik aus dem Hause Walckers dar. Wir haben das Glück, dass Elfriede Kandler eine Einspielung vor der Restaurierung von Klais vorgenommen hat, die am 12. Nov. 1986 stattfand. Man hört einzelne Mängel der Orgel, aber man kann auch sehr gut feststellen, dass die klangliche Substanz der Orgel von Klais nicht

verändert wurde, was als ganz hervorragende Leistung der Firma bewertet werden muss. Denn im Gegensatz zu Restaurierungen aus anderen Häusern, können wir hier tatsächlich identische deutsch-romantische Klänge hören und unser Verständnis für derlei feine und feinste Klangabstufungen, Schattierungen, zarte Einfärbungen, sensible Zungen und runde, warme Bässe an diesem Instrument schulen - wo andere, dank ihrer plumpen Industrie-Intonation nur laut und trompetenhaft herumgefingert haben.
Dazu also Musik als MP3 files, aufgenommen 1986 in der Votivkirche zu Wien, gespielt von
Elfriede Kandler :
Zoltán Kodaly "Praeludium" und
Giacomo Meyerbeer "Krönungsmarsch"

Nun, die Votivkirchenorgel ist anders als die Walcker-Orgel im Mariendom zu Riga von einem ätherischen Schleier zarter Streicher umwoben, während die Rigaorgel ein lückenloses und klares Prinzipalpleno besitzt, das kaum an Hochromantik erinnert. Überhaupt keine Romantik ist hörbar für mich in Winterthur, noch weniger in Schramberg oder Ulm, St. Georg. Technische Restaurierungen von Maschinensaal-Intonateuren eignen sich gut für CD-Aufnahmen, wo man den Regler herunterfahren kann, aber nicht für Musik im metaphysischen Raum. Denn da hört man die Maschine rattern, anstelle der Stimme, auf der man seine Seele zur Pilgerreise empor zu Gott schickt.

Ein Franzose in Wien

Die Orgel der Wiener Votivkirche (62/III, Bj 1878, op306, mechan. Kegellade teilw. mit Barker) ist eine der bedeutendsten Denkmalorgeln der Welt! .... so beginnt eine zusammenfassende Orgeldokumentation von Prof. Dr. Karl Schütz aus Wien. Ein begeisterter Orgelfan, französischer Ingenieur, besuchte diese Walcker-Orgel und wurde von einem gleichfalls begeisterten Organisten Johannes Lenius (siehe auch OrgelCDs - Wien Votivkirche) ins Allerheiligste geführt. Wir erhalten eine Email von diesem Treffen, welche diese Begeisterung und Freude über jenes Instrument weitergibt, welches wir gerne hier vorstellen: Dear Mr Walcker,would like to thank you again for your help on this subject. I have been in Wien beginning of this week, and have been received in the Votivkirche by Mr Lenius.He has been extremely kind, and we had been able to look and listen to the organ for a long moment.I have been very much impressed by this instrument, which I found absolutely wonderful.What is extremely impressive first is its clarity : whatever the registration, you can follow each voice ! The colours are very joyful, and the full organ makes me think of a large choir : we can really realize that your country is a country where people sing !The foudation stops are extremely varied and colourful, the 4 foot still more than the remaining. Several months are surely required to better know everything, but it is really passionating. The mixtures also have a wonderful colour, and I liked very much the fact that they have tierce ranks.also liked the reeds very much : the 8' and 4' of the great add a little bit of percussion, and the pedal 16' gives a wonderful bass. I found the free reeds of fantastic colours (great 16', clarinette and basson - hautbois)The grand bourdon 32' is also very interesting : the more things you put with it, and the more you have the impression it is a reed stop !The mutations also allow many effects.... All in all, this an organ where you can really play many different musics....! found the Barker incredibly quick and responsive either one one or two stops, or on the full organ (in the Cavaillé-Coll, you often have to choose when setting the Barker) : could you tell me how are the charge and discharge valves ?The tracker action to other divisions is quite pleasant, and is quite nice to play. The console looks fantastic, and is also very comfortable. had the chance to have a look in the basement (no time left to climb to the next level...!) : all the mechanism is very impressive, but works quite well and is nicely set up : everything commes and attacks quite well. I noted the two diagonal bellows : how are they linked to the remaining ? Do they take the first appeal of wind, being quicker than the big parallel bellows ? All that is built with a fantastic quality...!!I have been extremely happy to visit this wonderful organ. It was my first visit to an organ built by your ancesors. I found it extremely lively and very convincing and polyvalent (much more I would have expected), and for me, it is one of the nicest I ever saw (let's say "within the top ten !") With kind regards Pierre FB


Alexander Wilhelm Gottschalg
Es ist interessant diese Orgel anhand der original Pläne studieren zu können, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden und es ist schon etwas Großartiges aus der Feder eines bedeutenden Musikers der damaligen Zeit, dessen Eindrücke über diese Orgel und der Orgelbauanstalt Walcker zu erfahren, der dieses Instrument in der Werkstatt in Ludwigsburg besucht hatte. Es handelt sich hier um Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) thüringischer Kantor, Organist und Komponist, der nicht nur Schüler bei Franz Liszt war, sondern diesem auch beim Komponieren half. Liszt hatte über Gottschalg geäußert: „Wenn ich selbst einmal zur Legende geworden bin, wird Gottschalg mit mir fortleben“.
Jener Gottschalg berichtet nun über Ludwigsburg als dem „Mekka Deutscher Orgelbaukunst“ dem er schon lange einen Besuch abstatten wollte und nun am Bahnhof von Carl Walcker abgeholt wird. Gottschalg berichtet über die Aufstellung der Orgel, über Klänge bereits eingebauter Register und über die Spielart mit den „pneumatischen Maschine“ sprich „Barkerhebel“. Noch nie hat er diese Zukunftswindladen in solch vortrefflicher Vollkommenheit gesehen, als hier bei Walcker. Er geht auf Details ebenso ein, wie die „alten Messingfedern“, die ja nun bei den Kegelventilen nicht mehr notwendig sind, oder er beschreibt die von Walcker erfundenen Stimmrollen – schieber- und Nägel. Wichtig natürlich für uns heute sind seine Beschreibungen der Klänge, die uns direkt zu den Vorstellungen der romantischen Komponisten führen. Er freut sich, dass bei seinem ersten Ausprobieren alle fünf Brüder sich langsam einfinden: Heinrich, Friedrich, Karl, Paul und Eberhard. Und damit haben wir eine wohl eine nicht nur für Walcker- und Nachfahren historisch bedeutende Stunde des Deutschen Orgelbaus erwischt, sondern wohl eine Darstellung über den Deutschen Romantischen Orgelbau, wie es das nicht oft gegeben hat.
Dieser Bericht jedenfalls hat mich soweit motiviert, diese ganzen Unterlagen mit Disposition und Beschreibungen abzufassen. Was nicht wenig Arbeit war. Erhöhte Motivation auch, weil es eben mit dem Umstand verbunden war, dass diese Orgel heute noch vollständig existiert.

1901
Die Tatsache, dass man die Pistonbälge (Kastenbälge) im Jahre 1901 gegen Magazinbälge und Tretgebläse ersetzte, ist allerdings heute als bedauerlich zu verzeichnen, weil diese Pistonbälge mit Schrittmotoren recht gut zu betreiben wären. Im Gutachten von Prof. Dr. Schütz steht, es handle sich um 9 Pistonbälge, die von 3 Männern betreiben worden wären, was offensichtlich falsch ist. Auf unserer Zeichnung sind es 6 Bälge, die tatsächlich von 3 Mann gut betrieben werden könnten.

1914
Wurde die Mechanik zum Betrieb des Gebläsemechanismus wegen Lärm und Abnutzung entfernt und ein Meidinger-Gebläse wurde eingebaut.

1917
Kriegsbedingte Entfernung der Prospektpfeifen

1944/45
Bombenangriff und Schäden an der Orgel

1995/96 Restaurierung der Orgel durch Klais, Bonn