Malerei in Rom

Vorwort

Wem das römische Klima zuträglich ist, der verliebt sich täglich in neue Winkel und Ecken der Stadt. Hier wird malerisch darüber sinniert. Mehr nicht. Alles andere wollen wir nicht unbedingt den Touristenhändlern oder professionellen Malern überlassen, die von Kunst reden und damit eigentlich immer irgendwie meinen, es muss materiellen Wert besitzen.

l'illuminazione in Piazza di Rotonda

San Giovanni in Laterano

Pieta - oder kein Ende des Leidens

Jedermann der in den Petersdom reinspaziert und rechter Hand eine nahezu unmerkliche Plastik sieht, hinter Glas und eher etwas beiseite gestellt, weil diese Installation schon so manchen Verrückten zu unbedachten Aktionen veranlasste, wird, wenn er sich näher mit dieser Gestalt beschäftigt, bald mehr oder weniger in dem dahingegossenen Leib auf dem Schoß der Mutter Gottes, sich selbst gefunden haben. Besonders prägnant ist dieser Eindruck dann, wenn das Wochenende vor der Tür steht und das Leiden am Werkstück Orgel seinen Höhepunkt erklommen hat. Dann eine schnelle Ölskizze aufs Papier geworfen, in Gedanken bei Michelangelo und dem cremweißen Carrara-Marmor, der das steinharte Gesicht der Mutter ins Unendliche entrückt und im Hintergrund schon das Auflachen des Todes, paniert mit bachschen Triosonaten, uns entgegenschleudert. So, und nicht anders, muss der letzte Tag eines Silbermann oder Eberhard Friedrich Walckers gewesen sein: erschöpft in der Hand der Seligen, der Seinigen, die aus Stein über die Ewigkeit wachen. Wer redet da noch von Zeit und Raum?

über den romanischen Bogen

es gibt kein Stilelement, das so eindringlich ist, das heute nun fast dreitausend Jahre in Verwendung ist, und das mit dem Wort "Rom" so eng verbunden ist, wie der Bogen über Tür, Tor und Fenster in aller südländischen Architektur. Warum?
Die einfachsten Architekturen gründen auf Rechteck oder Quadrat. Das ist baulich am einfachsten zu bewerkstelligen. Der Bogen weist bereits als ästhetisches Element weit über den Nutzen hinaus.
Der runde Bogen, gefertigt mit einem Schlussstein, ist immer auch ein Risiko.
Es gibt nur ein architektonisches Element, das dem römischen Bogen scheinbar gleichwertig gegenüber steht: der gotische Spitzbogen. Dieser aber wurde nur etwa 500 Jahre gebaut. Im oberlehrerhaften Deutschland hat er allerdings nochmals so richtig ab 1820 die Lehrbücher gefüllt. Das Eine, der Rundbogen ist Bescheidung auf notwendigste Mittel und Möglichkeiten, steht dem Anderen, dem gotischen Bogen, der Basis ist für die Entfesselung und Himmelsstürmerei, (ich weiß, Goethe hat das anders gesehen) diametral gegenüber. Der Rundbogen kann aus seiner grundsätzlichen Struktur nicht ausbrechen. Man kann die Bögen mit Säulen verlängern, überdehnen, man kann natürlich auch gigantische Basiliken errichten, wie den Peteresdom oder San Giovanni, aber insgesamt gesehen, weisen sie auf den Boden, auf die Erde, während die gotische Kathedrale (der gotische Bogen kann steiler oder flacher gesetzt werden) ins Unendliche zeigt. Der Alkohol und der gotische Bogen haben dem germanischen Faust ein gewisses Maß an Irrsinn unterlegt, was dem römischen Bogen völlig fehlt.
Das ganze Rom mit seinen abertausenden Rundbogen an Fenstern, Türen und Toren ist ein rundweg stilreiner Ort während in jeder deutschen Dreiviertels-Stadt irgendwo immer eine schiefe Gotik durchblitzt.
Das ganze Kirchleinsgebastel während den 50er und 60er Jahre ist verunglückte Gotik, vielleicht sogar die ganze Orgelbewegung mit ihrem Anspruch "das Wahre und Ewige" zu greifen, während wir im romanischen Bogen die erste Hälfte der runden Erde zu fassen kriegen.
"So ischs no au wieder ned...." frei zitiert nach EFW (auch ein Gotiker).